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Übersicht:

Im Bereich der Barrierefreiheit des ÖPNV konnten in den letzten Jahren vielfältige Fortschritte erzielt werden. Dabei standen allerdings häufig die Belange von mobilitätseingeschränkten Fahrgästen im Vordergrund, während die Belange von Menschen mit Wahrnehmungseinschränkungen nicht voll zur Geltung kamen. Besonders betroffen sind dabei Sehbehinderte und Blinde, die nicht oder nur mit Hilfsmitteln in der Lage sind, z. B. Fahrplanaushänge oder Netzpläne zu erfassen.

Diese Kommunikationsbarrieren werden insbesondere bei der zunehmenden Verbreitung von Echtzeit-Fahrgastinformationen deutlich. Die Echtzeitinformationen werden auf den Anzeigern in Bahnhöfen und Haltestellen visuell dargestellt und sind im Internet oder per App abrufbar. Diese Darstellungsformen erschweren Sehbehinderten und Blinden die Nutzung und führen zu Zugangshemmnissen und Unsicherheiten bei der Benutzung des ÖPNV.

Ziel des Projektes Sinn² ist es daher, landesweit eine barrierefreie sowie echtzeitfähige Fahrgastinformation für blinde und sehbehinderte Personen zur Verfügung zu stellen, um für diese den ÖPNV zuverlässiger und attraktiver zu gestalten. Um dies zu ermöglichen, wird im Projekt eine Fahrgastinformation in Form einer App für Smartphones realisiert, welche insbesondere hinsichtlich der Bedienung speziell auf die Bedürfnisse der genannten Zielgruppen abgestimmt ist.

Dadurch lassen sich zeitintensive sowie kostspielige Maßnahmen an der Infrastruktur der Haltestellen (z. B. Ausstattung mit DFI-Anzeigern, die zusätzliche akustische Informationen zur Verfügung stellen) und eventuell auch in den Fahrzeugen vermeiden. In Folge dessen lässt sich die barrierefreie sowie echtzeitfähige Fahrgastinformation ohne nennenswerten Mehraufwand großflächig verbreiten – auch in ländlichen Regionen mit geringem Fahrgastaufkommen.

Das Projekt ist auf eine Laufzeit von zwei Jahren ausgelegt.

 

Aufgaben:

  • Ermittlung der Anforderungen der Zielgruppen an eine Barrierefreie Zwei-Sinne-Fahrgastinformation
  • Spezifikation und Entwurf von Bedienkonzepten für die App und Erstellung eines Prototyps
  • Nutzbarkeitstest des Prototyps durch Testpersonen der Zielgruppen unter sozialwissenschaftlicher Begleitung
  • Fortschreibung von Spezifikation und Entwurf aufgrund der Ergebnisse des Nutzbarkeitstests und Erstellung einer Pilotversion
  • Durchführung einer halbjährigen Pilotphase der App mit Echtzeit-Daten und Auswertung der gewonnenen Erkenntnisse

 

Projektfortschritt:

Nachdem der Prototyp der Smartphone-App durch die aus Testpersonen der Zielgruppen bestehende Fokusgruppe ausgiebig getestet wurde, ist die App im Verlauf des Jahres 2017 zu einer voll funktionsfähigen Pilotversion weiterentwickelt worden. Hierbei standen vor allem die Einbindung der Echtzeitdatenschnittstellen der ÖPNV-Anbieter sowie die korrekte Verarbeitung der durch diese zur Verfügung gestellten Daten im Vordergrund. Da Sehbehinderte stärker zur Vorausplanung von Abläufen neigen, fühlen Sie sich oft schneller verunsichert als andere Reisende, wenn es zu unerwarteten Abweichungen vom Regelbetrieb der öffentlichen Verkehrsmittel kommt. Aus diesem Grund wurde insbesondere der Verwertung und rechtzeitigen Ankündigung von bestehenden, für den jeweiligen Fahrgast relevanten Verspätungsmeldungen eine hohe Priorität zugeordnet.

Im Sommer 2017 begann die mehrmonatige Testphase der App in der Region Stuttgart. In der Testphase können sich zusätzlich zur Fokusgruppe auch weitere freiwillige Teilnehmer die App herunterladen und in ihrem Alltag einsetzen. Zusätzlich hierzu hat die Fokusgruppe unter sozialwissenschaftlicher Begleitung speziell entworfene Testszenarien durchlaufen. Neben Interviews und Gruppendiskussionen ergaben teilnehmende Beobachtungen im Alltag wichtige Informationen über die Anwendertauglichkeit und das Nutzerverhalten, sodass eine breit gefächerte Evaluation möglich ist. Die ersten Monate der Pilotphase haben hierbei gezeigt, dass die App von den Testern sehr gut angenommen wurde. Dies belegen unter anderem die durchweg positiven Rückmeldungen der Nutzer.

 

Weiteres Vorgehen:

Das Projekt Sinn² läuft noch bis Ende 2017. Als wichtigstes Resultat des Forschungsprojekts liegt die finale Pilotversion einer Smartphone-App für Menschen mit einer Sehbehinderung und blinde Menschen vor, deren wesentliche Funktionen modular aufgebaut sind und daher auch in die bereits vorhandenen oder künftig geplanten Apps von Verkehrsverbünden und Verkehrsunternehmen integriert werden kann. In Gesprächen mit den Verkehrsverbünden zeigte sich ein hohes Interesse an den Ergebnissen des Projekts und der Wunsch, die Smartphone-App möglichst bald einem breiten Kundenkreis zur Verfügung stellen zu können.

 

 

 

Fördermittelnehmer:

Verkehrswissenschaftliches Institut Stuttgart GmbH (VWI)
Dipl.-Wi.-Ing. Stefan Tritschler (Projektleitung)
post@vwi-stuttgart.de

Universität Stuttgart
Institut für Eisenbahn- und Verkehrswesen
Prof. Dr.-Ing. Ullrich Martin
post@ievvwi.uni-stuttgart.de  

Institut für angewandte Sozialwissenschaften 
Prof. Dr. Susanne Schäfer-Walkmann
s.schaefer-walkmann@ifas-stuttgart.de 

Partner:

-

Projektlaufzeit:

24 Monate

Podcast

Reinhard Remfort im Gespräch mit...

... Dipl.-Wi.-Ing. Stefan Tritschler
Verkehrswissenschaftliches Institut Stuttgart GmbH (VWI)

und Prof. Dr. Susanne Schäfer-Walkmann
Institut für angewandte Sozialwissenschaften 

Sinn² - Die barrierefreie Zwei-Sinne-Fahrgastinformation

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