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Übersicht:

Inhalt des Projektes ist die Untersuchung der Lärmminderungspotenziale alternativ angetriebener Busse im städtischen Raum. Ein Ziel der Studie ist es, die quantitativen und qualitativen Geräusch-Unterschiede zwischen konventionellen und elektrischen Bussen zu bestimmen. Dazu werden Methoden der Schallmessung, der Berechnung sowie der subjektiven Wahrnehmung angewendet. Ziel ist es darüber hinaus, die Lärmminderung räumlich zuzuordnen, um Aussagen darüber treffen zu können, wo und wie die Busse am effektivsten eingesetzt werden können. Darauf aufbauend erfolgt eine Evaluation der Lärmminderungs­potenziale in Bezug auf praktische Fragestellungen der Stadtplanung.

Lärmkartierung Straßenverkehr, Gewichteter Tag-Abend-Nacht-Pegel über 24 Stunden (Landeshauptstadt Stuttgart, Amt für Umweltschutz 2012)

Aufgaben:

  • Erstellen Datenbasis Fahrzeuge
  • Optimierung Einsatzgestaltung
  • Physikalische Lärmmodellierung
  • Sozialempirische Effekte und Stadtakustik
  • Evaluation
  • Projektmanagement und Öffentlichkeitsarbeit

 

Projektfortschritt:

Linienbusse gehören im Innen­stadtverkehr zur schwersten Fahrzeugklasse und emittieren vor allem beim Anfahren erhebliche Fahrgeräusche, die zu den negativen Effekten von Straßenverkehrslärm auf die Bevölkerung beitragen können. Elektrifizierte Busse mit hybriden oder rein elektrischen Antriebskonzepten stellen eine Möglichkeit dar, die Lärmbelastung in der Stadt zu senken. Eine breite Anwendung dieser Busse ist bisher vor allem aufgrund der deutlich höheren Kosten derzeit nicht zu erkennen. Die höheren Kosten der Technologien könnten jedoch auch durch Verbesserungen beim Lärmschutz gerechtfertigt werden.

Es ist das Ziel des Projekts, die Vorteile von elektrifizierten Bussen hinsichtlich der Lärmimmissionen in der Stadt mit Hilfe eines integrierten Forschungskonzepts detailliert aufzuzeigen. Das Konzept (siehe Abbildung 1) umfasst drei methodische Ansätze zur Abschätzung der Minderungspotentiale: (1) die schalltechnische Analyse isolierter Betriebssituationen, (2) die Modellierung der Schallausbreitung auf realen Strecken in der Stadt und (3) die Erfassung der subjektiven Wahrnehmung.

Abbildung 1: Forschungskozept Leis-E [Eigene Darstellung]

(1) Die schalltechnische Analyse zielt auf den Schalldruckpegel und die Frequenzen unterschiedlicher Bustypen in definierten Betriebssituationen. Bei isolierten Vorbeifahrten zeigten sich große Differenz zwischen einem untersuchten Dieselbus und einem Brennstoffzellenhybridbus von bis zu 14 dB(A) bei geringen Geschwindigkeiten. Die Unterschiede nehmen mit zunehmender Geschwindigkeit jedoch stark ab, was auf den größeren Einfluss des Roll- und Strömungsgeräuschs zurückzuführen ist.

(2) Durch eine Modellierung der Verkehrslärmimmissionen auf sieben Untersuchungsstrecken im Stadtgebiet der Landeshauptstadt Stuttgart unter Einsatz elektrifizierter Bustypen wird eine Quantifizierung der physikalischen Pegelminderungen des Verkehrslärms durch den Einsatz dieser Busse erreicht (siehe Abbildung 2). Auf den ausgewählten Strecken liegen die potentiellen Immissionsminderungen in vielen Situationen über 3 dB(A), teilweise auch darüber. Entscheidend ist hier vor allem der Busanteil am Gesamtverkehr.

(3) Lärm ist eine negativ bewertete Schallimmission, die nur durch ein wahrnehmendes Subjekt existiert. Um sich dem subjektiven Empfinden der Busgeräusche anzunähern wurden Experimente durchgeführt, bei denen ausgewählte Audiosequenzen der Busse durch Probanden bewertet wurden. Im Ergebnis zeigt sich, dass ein großer Teil der Probanden das Geräusch des elektrifizierten Busses aufgrund einer mangelnden Zuordenbarkeit als irritierend empfindet.

 

Abbildung 2: Illustration der Schallmodellierung im Untersuchungsgebiet Ost (Ausschnit), Datengrundlage: Landeshauptstadt Stuttgart

 

Aus den Ergebnissen der Untersuchungen ergeben sich je nach Kontext unterschiedliche Implikationen. In der Lärmaktionsplanung wirken sich geräuscharme Busse aufgrund der vorgeschriebenen Berechnungsmethode nicht auf den Mittelungspegel in der Lärmkartierung aus. Eine Aufführung der Busse als Maßnahme zur Lärmminderung im Lärmaktionsplan ist jedoch auf Basis der Ergebnisse dieses Projekts gerechtfertigt und sinnvoll.

Für den Wert von zu Wohnzwecken genutzten Immobilien und Grundstücken ist der Verkehrslärm ein Faktor, der sich prinzipiell mindernd auswirkt. Auf der Grundlage statistischer Modelle können die im Projekt ermittelten Lärmminderungen durch elektrifizierte Busse in manchen Gebieten zu einer gewissen Wertsteigerung führen. In der Realität hängt der Effekt jedoch von vielen Weiteren Aspekten ab. Beispielsweise ist bei der Lärmminderung durch Busse fraglich, inwieweit diese von potentiellen Käufern als dauerhaft und gesichert angesehen werden.

In der Stadtplanung werden in der Regel die Ergebnisse der Lärmkartierung gemäß EU-Richtlinie zugrunde gelegt. Da diese nicht nach Busantrieben differenziert, kann aus dem Einsatz elektrifizierter Busse keine direkte Rechtsverbindlichkeit abgeleitet werden. Im Einzelfall könnten leisere Busse jedoch in der Abwägung aller öffentlichen Belange zum Tragen kommen. Beispielsweise kann die Wirksamkeit von Geschwindigkeitsreduzierungen durch den Einsatz von elektrifizierten Bussen verstärkt werden.

 

 

 

Fördermittelnehmer:

Universität Stuttgart
Städtebau-Institut (SI)
Lehrstuhl Stadtplanung und Entwerfen
Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Rid (Projektleitung)
wolfgang.rid@si.uni-stuttgart.de

Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB)
Markus Wiedemann
markus.wiedeman@mail.ssb-ag.de

Ingenieurbüro Dr. Dröscher (IBD)
Felix Laib
buero@dr-droescher.de

Partner:

-

Projektlaufzeit:

24 Monate

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