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Übersicht:

Junge Menschen erweitern mit dem Eintritt in das Erwachsenenalter und mit dem Erwerb des Führerscheins ihren Gestaltungsspielraum für ihr zukünftiges Mobilitätsverhalten. Da sie in der Regel noch keine Gewohnheiten im Hinblick auf die selbständige Nutzung des motorisierten Individualverkehrs entwickelt haben, sind FahrlehrerInnen in dieser Phase relevante Bezugspersonen für die FahrschülerInnen und treten als Experten/Expertinnen auf, deren Einstellungen, Normen und deren gezeigtes Verhalten die Akzeptanz von Elektrofahrzeugen und neuen Mobilitätskonzepten begünstigen oder auch hemmen können. Aber auch ältere Menschen haben ab einem gewissen Zeitpunkt die Möglichkeit bzw. Notwendigkeit ihr Mobilitätsverhalten zu ändern, beispielsweise, wenn gesundheitliche Probleme auftreten. Diese unterschiedlichen Aspekte greift das Vorhaben auf, in dem ein Konzept für eine „Mobilitätsschule“ entwickelt und umgesetzt werden soll. Das Besondere an dem Projektvorhaben ist, dass die Umsetzung durch eine gleichberechtigte Kooperation zwischen Wissenschaft und Zivilgesellschaft erfolgt und die Idee, ganz im Sinne von Co-Produktion und Co-Design bzw. dem Konzept der Citizen Science (BürgerInnenwissenschaft), aus dem Kreise der Praktiker­Innen stammt.

 

Aufgaben:

  • Existierende Ergebnisse und deren Umsetzung der Lehrinhalte
  • Erarbeitung und Erprobung des dreistufigen Lehransatzes
  • Wissenschaftliche Prozess-Evaluation und Begleitung
  • Öffentlichkeitsarbeit, Verarbeitung und Verstetigung der Prozesse
  • Koordination und Projektmanagement

 

Projektfortschritt:

Mobilitätsschule: „Nachhaltige Mobilität“…

Die Mobilitätsschule hat zum Ziel, das „Gelegenheitsfenster“ Fahrschule zu nutzen, um vor allem junge Menschen mit alternativen Mobilitätskonzepten vertraut zu machen – getreu dem Motto „Autofahren können, aber nicht müssen“. Darüber hinaus soll erprobt werden, wie eine Mobilitätsschule für Menschen außerhalb von Fahrschulen aussehen kann. Die beteiligten PraktikerInnen und WissenschaftlerInnen gehen dabei von der Annahme aus, dass für eine verstärkte Nutzung alternativer Mobilitätskonzepte sowohl Wissen und Informationen als auch praktische Erfahrungen relevant sind. Um dieses Konzept umzusetzen, wird mit zahlreichen Akteuren kooperiert (siehe Abbildung 1).

 

Abbildung 1: Copyright RNM 2017

 

…. in Fahrschulen!

Für den theoretischen Fahrschulunterricht wurde ein Lehrmodul über 90 Minuten entwickelt, das sechs Themen behandelt, die zur Diskussion über die Nebenfolgen von Autoverkehr einladen. Diese  sechs Lehreinheiten wurden in Fahrschulen getestet und können von allen interessierten FahrlehrerInnen hier (http://nachhaltigmobil.schule/lernen/) abgerufen werden. Um im Unterricht auch auf weiterführende Fragen eingehen zu können, gibt ein Begleitheft zusätzlich detaillierte Hintergrundinformationen für die FahrlehrerInnen.

Alle Informationen sind auf der Internetseite abrufbar.

Für den praktischen Fahrunterricht wird den Fahrschulen ein entsprechend technisch umgebautes Elektrofahrzeug zur Verfügung gestellt, welches sie beim Carsharing-Anbieter „Stadtmobil“ ausleihen können. Damit können FahrschülerInnen praktische Erfahrungen auf einem Elektrofahrzeug gewinnen, ohne dass sich die Fahrschulen ein entsprechendes Fahrzeug anschaffen müssen.

 

 

Abbildung 2: Copyright Mobilitätsschule 2017

 

… im Stadtraum!

Schule ist überall dort, wo Menschen Menschen begegnen. Getreu diesem Motto veranstaltete das Projekt den Aktionstag „Smarter am Ziel“. Im aktiven Teil des Aktionstages erprobten 14 TeilnehmerInnen verschiedene Mobilitätsalternativen, indem sie in kleinen Teams unterschiedliche Aufgaben im Stuttgarter Stadtgebiet erfüllten. Anschließend diskutierten sie ihre Erfahrungen und reflektierten sie im Hinblick auf das Thema Verkehrs-/Mobilitätswende. Ausführlichere Informationen zum Konzept gibt es direkt auf der Internetseite (http://nachhaltigmobil.schule/smarter-am-ziel/)  oder im Bericht (als PDF zum Download).  

 

St. Maria als…Mobilitätsschule!

Um noch mehr Menschen zu erreichen, wurde vor der St. Maria Kirche in der Stuttgarter Innenstadt eine temporäre Mobilitätsstation errichtet. Dort konnten Interessierte an einigen Wochenenden in den Sommermonaten verschiedene Mobilitätsarten wie Fahrradrikscha und Elektroroller ausprobieren. Der Platz vor der Kirche wurde zu einem Treffpunkt für ganz unterschiedliche mobilitätsinteressierte Menschen.

 

Abbildung 3: Copyright Mobilitätsschule 2017

…in Zahlen:

Die wissenschaftliche Begleitung der Mobilitätsschule erfolgt auf zwei Wegen: Erstens führen die wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen Interviews mit Fahrlehrer*innen von den Fahrschulen, an denen der Theorieunterricht der Mobilitätsschule zum Einsatz gekommen ist. Zusätzlich wird eine Diskussionsveranstaltung zu den Zielen und Methoden der Mobilitätsschule mit Fahrlehrer*innen durchgeführt, die bisher keinen intensiven Kontakt mit der Mobilitätsschule hatten (qualitative Datenerhebung). Zweitens beantworten Teilnehmer*innen des Aktionstages „Smarter am Ziel“ und Fahrschüler*innen, die am Theorieunterricht der Mobilitätsschule teilnehmen, einen Fragebogen (quantitative, standardisierte Datenerhebung). Hier ging es vor allem um Einstellungen zum Auto als Fortbewegungsmittel und Symbol und um den Themenkomplex Umwelt und Autoverkehr. „Autofahren“ ist bei den Befragten noch immer eng mit persönlicher Freiheit verbunden: Fast zwei Drittel stimmten der Aussage „Autofahren bedeutet Freiheit“ zu. Gleichzeitig nimmt jedoch der Stellenwert des PKW-Besitzes ab. Für gerade einmal die Hälfte der Befragten gehört der Autobesitz zum Erwachsensein dazu. Diese Beobachtung wird durch Aussagen eines Fahrlehrers im Interview bestätigt. Eine Begründung für diesen Trend ist die urbane Lebens-Situation der Befragten und der damit verbundene gut ausgebaute ÖPNV-System. Das Bewusstsein für die Umweltprobleme, die durch ein hohes Aufkommen von Autoverkehr entstehen, ist ebenfalls recht hoch: In beiden befragten Gruppen, Fahrschüler*innen und Teilnehmer*innen am Aktionstag, stimmten mehr als zwei Drittel der Aussage, dass Autofahren zur Umweltbelastung beiträgt „voll und ganz“ bzw. „eher“ zu. Gleichzeitig herrscht aber ein nicht zu unterschätzender Glaube vor, dass sich für die aktuellen Probleme früher oder später eine technische Lösung finden wird; mehr als die Hälfte der Fahrschüler*innen im Projekt ist dieser Ansicht, und zusätzliche 36% stehen dieser Aussage zumindest nicht abgeneigt gegenüber. Diese Tendenz findet sich auch unter den Teilnehmer*innen am Planspiel wieder, wo immerhin 5 von 12 Befragten dieser Aussage „voll und ganz“ bzw. „eher“ zustimmen und vier Personen grundsätzlich aufgeschlossen sind. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass das Projekt einer Verkehrswende derzeit noch stark als technisch-orientiert wahrgenommen wird und weniger mit der Notwendigkeit einer eigenen Verhaltensänderung in Verbindung gebracht wird. Die Notwendigkeit einer Mobilitätsschule, die stark auf Bewusstseins- und Verhaltensänderung setzt, wird damit bestätigt.

 

… in der Öffentlichkeit:

Um das Konzept und die verschiedenen Aktivitäten der Mobilitätsschule bekannt zu machen, wurde das Projekt auf unterschiedlichen Messen und Veranstaltungen, wie der I-Mobility 2016 und 2017 in Stuttgart präsentiert und diskutiert. Hierfür wurden alle Fahrschulen in der Region eingeladen. Auf der Abschlussveranstaltung des Reallabors für nachhaltige Mobilitätskultur veranstaltete das Projektteam einen eigenen Workshop, der vor allem Verstetigungsideen für das Konzept entwickelt hat.

Auch online ist die Mobilitätsschule präsent: Sowohl auf der Internetseite als auch bei Facebook und Twitter.

Die Erfahrungen im Projektverlauf haben gezeigt, dass angesichts der Unsicherheit bezüglich der Zukunft von Auto und Mobilität, ein hoher Bedarf an Informationen und Wissen, aber auch an praktischem Knowhow besteht – und zwar nicht nur in Fahrschulen. Es braucht Orte in der Stadt, an denen Menschen Mobilitätsalternativen erleben und diskutieren können. Das Konzept der Mobilitätsschule bietet hierfür eine Vorlage.

 

 

Weiterführende Links

Mobilitätsschule (www.nachhaltigmobil.schule)

Mobilitätsschule auf Facebook (https://www.facebook.com/mobilschule/)

Mobilitätsschule auf Twitter (https://twitter.com/mobilschule)

Unterrichtsfolien PPT, ab 2013 (https://my.hidrive.com/lnk/ZJM4ln1Y)

Unterrichtsfolien PPT, ab 2010 (https://my.hidrive.com/lnk/UXsYFaIp)

Electrify-BW (www.electrify-bw.de)

Dialogik gGmbH (http://www.dialogik-expert.de/)

 

 


 

 

 

Fördermittelnehmer:

Dialogik - gemeinnützige Gesellschaft für Kommunikations- und Kooperationsforschung mbH
Sophia Alcàntara (Projektleitung)
alcantara@dialogik-expert.de

Electrify-BW e.V.
Andreas Hohn
andreas.hohn@electrify-bw.de

Partner:

-

Projektlaufzeit:

24 Monate

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